Rituale, Regeln, Abläufe, ritualisierte Handlungen

 

ritualisierte handlungen autisten

Menschen mit Autismus sind oft darauf fixiert, ihre äussere Umgebung und Tagesabläufe möglichst gleichbleibend zu gestalten. Plötzliche Veränderungen können sie total überfordern, sehr nervös machen oder panische Reaktionen hervorrufen.

Dies liegt daran, dass Veränderungen einen höheren Grad an Aufmerksamkeit erfordern, was bei der angenommenen Schwäche von Menschen mit ASS, Informationen auszublenden, zu einer erhöhten Gehirnaktivität führen muss.

 

 

Rituale und feste Regeln helfen beim Asperger-Syndrom und Kanner-Syndrom

veränderungen autistRituale, klare Abläufe und feste Regeln geben Menschen mit Autismus Sicherheit in einer oft bedrohlich erlebten Aussenwelt. Wichtig ist jeden Tag ein klarer Ablaufplan, der streng eingehalten wird. Spontanität ist der Feind eines jeden strukturierten Tagesablaufs.

Veränderungen ihrer Umwelt, wie z.B. umgestellte Möbel oder ein anderer Schulweg, beunruhigen und verunsichern viele autistische Menschen. Manchmal geraten Betroffene auch in Panik, wenn sich Gegenstände nicht mehr an ihrem gewöhnlichen Platz oder in einer bestimmten Anordnung befinden, oder es bringt sie ein unangekündigter Besuch oder spontaner Ortswechsel völlig aus der Fassung.

 

„Und täglich grüsst das Murmeltier“

hqdefaultWas für viele nicht-Autisten ein absoluter Horror wäre: Täglich genau das Gleiche zu erleben. Immer und immer wieder… Wie im Film „Und täglich grüsst das Murmeltier„, in welchem der Hauptdarsteller Bill Murray in einer Zeitschleife festhängt und jeden Tag immer wieder das Gleiche erlebt.

Für einen Autisten sind solche Tage „gute“ Tage, denn alles ist geregelt, geplant und immer schön gleich ablaufend. Dies soll aber nicht heissen, dass Autisten sich nicht auf Neues einstellen können. Es braucht einfach viel Vorbereitungszeit um alles zu planen, strukturieren und sich darauf einstellen zu können.

 

Ritualisierte Denk- und Wahrnehmungshandlungen

rituale aspergerZu den ritualisierten Handlungen können neben motorischen Schematismen, Stereotypien und repetitiven Sprechhandlungen auch die repetitiven und stereotypen Handlungen des Denkens und der Wahrnehmung gezählt werden. Diese bestehen in der Konzentration auf einige wenige, jedoch mit großer Intensität verfolgte Spezialinteressen.

Ihnen eignet das gleiche repetitive Moment wie den Stereotypien der Körperbewegungen oder die Ritualisierung bestimmter Handlungsabläufe. Ihr Ziel ist es, den neuronalen Apparat durch Reduktion von Komplexität und Konzentration auf Weniges zu entlasten und damit in der Energiebilanz des Gehirns günstiger zu operieren.

Die intensive Herausbildung von Spezialinteressen führt zur Entwicklung von Inselbegabungen, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Die sogenannten Inselbegabungen sind also keine Fähigkeiten, die unabhängig von den Handlungen der jeweiligen Person einfach vorhanden sind, sondern resultieren aus einer langen und intensiven Beschäftigung mit einem bestimmten Gegenstandsbereich. Hier bilden sich neuronale Felder und Netze von hoher lokaler Konnektivität heraus, die jedoch nur äusserst schwach durch globale Konnektivität im Gehirn mit anderen Arealen verbunden sind.

 

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster bei Menschen mit Autismus

Handlungen laufen meist ritualisiert ab, und Abweichungen von diesen Ritualen führen zu Chaos im Kopf, denn autistische Menschen haben bei unerwarteten Veränderungen von Situationen oder Abläufen in der Regel keine alternativen Strategien.

Unter stark autistischen Menschen anzutreffende, repetitive (sich wiederholende) Stereotypien können sein: Jaktationen (Schaukeln mit Kopf oder Oberkörper), im Kreis umhergehen, Finger verdrehen, Oberflächen betasten und vereinzelt auch selbstverletzendes Verhalten wie etwa Finger blutig knibbeln, Nägel bis über das Nagelbett hinaus abkauen, Kopf anschlagen, mit Hand an Kopf schlagen, sich selbst kratzen, beissen oder anderes. Dieses selbstverletzende Verhalten hinterlässt mehr oder weniger sichtbare Spuren wie Bissspuren, Narben und verschorfte Wunden auf der Haut und an den Armen, die jedoch nicht zu verwechseln sind mit dem bewusst selbstverletzenden Verhalten, das typischerweise zum Spannungsabbau eingesetzt wird (etwa durch Verbrennungen oder Ritzen am Unterarm).