– Autismusforschung braucht neue Wege

Tausende Fachaufsätze bringen wenig Fortschritte für autistische Menschen. Ein betroffener Professor fordert deshalb ein Umdenken in der Wissenschaft: Lebenshilfe statt Heilung.  Autismus-Forscher haben in den letzten Jahren viele tausende von Fachaufsätzen veröffentlicht. Bei solchen Mengen sollte man meinen, dass wir uns über grosse Fortschritte freuen sollten. Im Gegentei: Viele Leute – vor allem erwachsene Autisten – sind enttäuscht darüber, wie wenig sich in Wirklichkeit getan hat. Was ist der Grund dafür? Die einfache Antwort lautet:

 

Wir untersuchen die falschen Sachen. Wir versenken Millionen in die Suche nach einer „Heilung“ – dabei ist inzwischen bekannt, dass Autismus keine Krankheit ist, sondern eine neurologische Besonderheit, die manche von uns schwer einschränkt, anderen aber aussergewöhnliche Fähigkeiten verleiht.

 

Die meisten von uns leben mit einer Mischung aus Besonderheit und Behinderung. Untersuchungen der genetischen und biologischen Grundlagen für Autismus sind mit Sicherheit verdienstvoll, doch das sind langfristige Projekte. Die Zeit von der Entdeckung solcher Zusammenhänge bis zur Zulassung einer Therapie wird in Jahrzehnten gemessen, und die Gemeinschaft der Autisten braucht sofortige Hilfe.

Wenn wir akzeptieren, dass autistische Menschen nicht krank sind, sondern neurologisch anders, verändert sich das Forschungsziel: Statt auf ein Heilmittel konzentriert sich die Suche darauf, ihnen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen.

 

Dazu gibt es einige Möglichkeiten um Autisten zu unterstützen:

– Wir können die verheerenden Probleme mildern, die mit Autismus einhergehen. Angst, Depression, Anfallerkrankungen, Schlafstörungen und Verdauungsbeschwerden sind die wichtigsten davon, aber nur einige.

– Wir können autistischen Menschen dabei helfen, ihr Leben zu organisieren, ihre Termine einzuhalten und mit der sensorischen Überlastung zurechtzukommen. Viele der Sachen, die wir gerne hätten, sind angenehm für jeden – ruhige Orte und gedimmte Beleuchtung etwa. Für uns aber sind sie entscheidend.

– Für Dinge, die autistische Menschen nicht selbst erledigen können, ließen sich technische Lösungen finden. Manche früher sprachlosen Autisten kommunizieren inzwischen über Tablet-Computer oder freunden sich mit virtuellen Assistenten wie Siri an. Es gibt Maschinen, die Gesichtsausdrücke erkennen, wo wir selbst nichts sehen. Computer können die Lebensqualität von jedem erhöhen, doch wir Autisten können von solcher Technologie stärker profitieren als jeder andere.

John Elder Robison ist Professor am College of William & Mary und Autor des Buches „Look Me in the Eye“.

 

Dies war ein kurzer Auszug aus dem Originalartikel. Den ganzen Text/Artikel finden Sie hier:

Quelle: http://www.heise.de/tr/artikel/Meinung-Die-Autismus-Forschung-braucht-neue-Schwerpunkte-2506906.html

 

 

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