– Autisten bei SAP: „Kennt man einen, kennt man… einen“

Sie können fehlerlos lange Zahlenkolonnen prüfen, sind mit Small Talk aber oft überfordert: 70 Autisten arbeiten beim Software-Riesen SAP, Hunderte sollen hinzukommen. Inklusions-Chefin Anka Wittenberg erklärt, wie sie ausgewählt werden.

Sie sind oft überdurchschnittlich intelligent und können sich gut konzentrieren. Sie sind zielstrebig und denken logisch. Kein Wunder, dass die IT-Branche mit autistischen Fachkräften liebäugelt. Inzwischen haben sich ganze Unternehmen auf die Rekrutierung von Autisten spezialisiert, das IT-Unternehmen SAP hat sich eine feste Autisten-Quote gesetzt.

Doch Personaler können im Vorstellungsgespräch viel falsch machen. Small Talk passt schlecht in die Welt von Autisten; klackernde Absätze, Bratenduft aus der Kantine oder aufdringliches Aftershave bringen sie mitunter leicht aus der Fassung. Es sind Menschen, denen es schwerfällt, soziale und emotionale Signale richtig zu deuten und darauf zu reagieren.

 

Im Gespräch mit KarriereSPIEGEL erklärt Anka Wittenberg, Diversity- und Inklusions-Chefin von SAP, warum sie im Assessment Center Lego-Steine braucht, wie ironiefreie Meetings ablaufen und warum kaum jemand einen Schwerbehindertenausweis will.

 

Anka Wittenberg ist Senior Vice President und Chief Diversity & Inclusion Officer beim Walldorfer IT-Unternehmen SAP.

 

KarriereSPIEGEL: Vor zwei Jahren haben Sie sich das Ziel gesetzt, bis 2020 ein Prozent Ihrer 75.000 Stellen mit Autisten zu besetzen. Wie weit sind Sie?

Wittenberg: Wir haben inzwischen weltweit durch unser Programm „Autism at Work“ über 70 neue Mitarbeiter eingestellt, bei denen eine Form von Autismus festgestellt worden ist. Dieses Programm haben wir in Indien, in Irland, in den USA, in Kanada und auch in Deutschland ausgerollt. Dieses Jahr kommen noch Brasilien und die Tschechische Republik hinzu. Das ist ein Projekt, für das Sie Geduld brauchen, denn es geht um einen Veränderungsprozess auf vielen Ebenen. Wir leisten gerade die Pionierarbeit.

KarriereSPIEGEL: Warum gerade Autisten?

Wittenberg: Autismus und IT haben große Ähnlichkeiten – Menschen mit Autismus übersetzen Kommunikation in ihre Sprache, sie denken in geometrischen Mustern, in Gleichungen, Farben. Ganz ähnlich ist es in der IT: Wenn wir codieren, übersetzen wir in Programmiersprache. Hinzu kommt, dass die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Autismus sehr hoch ist – auch bei Leuten mit hohem IQ und exzellenter Ausbildung. Und wir sind ein IT-Unternehmen, dem Fachkräfte fehlen. Hier können wir also alle gewinnen.

 

Dies war ein kleiner Auszug des Artikels. Hier finden Sie den ganzen Bericht auf der Original-Seite vom Spiegel: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/autisten-bei-sap-hoher-iq-und-technisches-verstaendnis-a-1050313.html

Quelle: spiegel.de

 

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